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Straßenkinderprojekt „COMVIVA“

Neues aus  Caruaru/Brasilien:


Caruaru ist eine Stadt mit ca. 300.000 Einwohnern im Nordosten Brasilien. Das ist jedenfalls die offizielle Zahl, denn die meisten der ärmeren Bevölkerung besitzt keine Geburtsurkunde und existiert damit eigentlich gar nicht.


Mit diesem Teil der Bevölkerung bzw. mit den Hauptleidtragenden, nämlich den Kindern und Jugendlichen, habe ich ein Jahr lang in diesem Projekt gearbeitet. Im Folgenden will ich das Projekt ganz kurz vorstellen:


Es besteht aus vier Projektbereichen mit verschiedenen Schwerpunkten.


Casa Da Rua - Soziale Straßenarbeit

Vergleichbar bei uns mit "Streetwork", setzt sich die soziale Straßenarbeit als Ziel, diejenigen Kinder und Jugendliche zu erreichen, die nur sehr niedrigschwellig versorgt werden können. Sie leben entweder zeitweise auf der Straße, weil ihre Familie weit draußen auf dem Land lebt und die Kinder zum Betteln und Geldverdienen in die Stadt schickt oder sie haben gar keine Familie mehr und schlagen sich, meist ein Leben lang, alleine auf der Straße durch. Mitarbeiter von COMVIVA suchen die Betroffenen direkt auf den Straßen des Zentrums und den einzelnen Stadtteilen auf, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Mitarbeiter sind eine Art "Ersatzfamilie" für die Jugendlichen, es werden Sorgen, Ängste und Erlebnisse besprochen. Meist findet dieses Aufsuchen am Abend bzw. in der Nacht statt, da hier, die Kinder und Jugendlichen am angreifbarsten sind. In Brasilien gibt es immer noch sogenannte "Todesschwadronen", von Geschäftsleuten oder auch von Politikern engagierte Paramilitärs, die gewissenlos Obdachlose (Kinder, wie Erwachsene) erschießen.

Vor zwei Jahren wurde das "Casa da Rua" renoviert, ein Haus mitten im

Stadtzentrum, welches mit Verpflegung, Duschgelegenheiten und guten Gesprächen eine wichtige Anlaufstelle für die Straßenkinder bietet.


Cedro – Haus  der Gemeinschaft:

Das Haus „Cedro“ ist der Zusammenschluss aus dem ehemaligen Cedro und dem NIP, dem

Berufsorientierenden und -initiierenden Teil des Projekts . Hierhin kommen Kinder zwischen 10 und 17 Jahren , die in sehr ärmlichen Verhältnissen leben und oft schon Kontakt mit Drogen, Kriminalität oder Prostitution hatten. Einige von ihnen wurden durch die soziale Straßenarbeit hierher weitergeleitet.

Alphabetisierung, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote stehen hier für die Jüngeren auf dem Programm, für die älteren, die Lesen und Schreiben können gibt es einen Berufsvorbereitungskurs für Bäcker und KonditorInnen. Der Kurs bringt ihnen eine bessere Ausbildung und dadurch auch mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Ein anderer wichtiger Teil ist der Gemüsegarten, welcher in voller Pracht erblüht.

Das sieht nicht nur schön aus, sondern gibt der Köchin auch die Möglichkeit den Kindern und

Jugendlichen ein gesünderes Essen anzubieten.

Glücklicherweise konnte bereits vor zwei Jahren ein Computerkurs eingerichtet werden, genannt „Telecentro“, der nun auch für Bewohner des anliegenden Wohnbezirks offen ist.

Musik ist ein wichtiger Bestandteil der brasilianischen Kultur, weswegen im Cedro auch Percussion- und Flöten, sowie Tanzunterricht angeboten wird. Desweiteren kommen natürlich auch kreative Angebote, wie Basteln und Malen nicht zu kurz.


Sol Poente – ehem. Kindertagesstätte:

Die eigentliche Kindertagesstätte wurde geschlossen. Nun kommen ungefähr

einhundert Kinder, die in Favelas (Slums) leben, zwischen 6 und 12 Jahre alt sind und in die

Schule gehen, in das Projekt „Sol Poente“.

Auch hier in „Sol Poente“ hat sich einiges geändert. Die ehemalige Kindertagesstätte wurde fast komplett

umgebaut, so dass die Kinder wieder mehr Platz zum spielen und bessere

Gruppenräume haben.

Wie gehabt liegt ein Augenmerk dieses Teils des Projekts auf der schulischen

Fortbildung der Kinder, die Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe mit einschließt.

Auch der „Politikunterricht“ genannt „Cidadania“, in dem die Kinder über ihre Rechte

informiert werden und gemeinsam die politischen Hintergründe entdecken, wird

fortgeführt. Dazu gehören natürlich auch die „Leseübungen“, die den Kindern

ermöglichen sollen über die Schrift einen kritischen Zugang zur Welt und zu ihrem

Leben zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt, ähnlich wie im Cedro, auf kreativen, musikalischen Workshops, wie z.B.

Flöte- und Percussionunterricht, Tanz- und Bastelunterricht. Durch diese Workshops

merken die Kinder, dass jeder von ihnen die eine Sache besser kann und eine andere

schlechter. Das schafft Selbstvertrauen und ermutigt die Kinder ihre Talente

auszuleben.

All das ist sehr wichtig für die Kinder, weil sie alle aus armen Familien kommen, in

denen Gewalt und Missbrauch etwas normales sind. Viele dieser Kinder haben zu

Hause nichts zu essen und ihre einzige Mahlzeit ist die im Projekt. Sie haben keine

Perspektive und wissen das auch und die Gesellschaft erkennt nicht, welche Talente in

diesen Kindern schlummern. COMVIVA bietet den Kindern eine neue Art zu leben;

eine, in der Dialog groß geschrieben wird.


Der freie Strafvollzug- Ein neuer Bereich

Freier Strafvollzug bedeutet, dass Jugendliche, die zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurden, nicht im Gefängnis untergebracht werden, sondern zwar zu hause leben können, aber bestimmt Auflagen zu erfüllen haben, die von Erziehern und Sozialarbeitern betreut werden.

Dieser Projektbereich wächst ständig und läuft sehr gut, da er zu 100% von der brasilianischen Regierung finanziert wird und wo die Finanzmittel auch ankommen (Keine Selbstverständlichkeit im Korruptionsdschungel Brasiliens, mehr dazu im Teil "Momentane Finanzielle Lage"). Vielleicht liegt das daran das ein Jugendlicher im Gefängnis der Regierung monatlich 3.800 Reais (Brasilianische Währung) kostet und im freien Strafvollzug nur 250 Reais ausgegeben werden.


Allgemeine Lage der Kinder und Jugendlichen:

COMVIVA betreut zur Zeit 250 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren;

einen Großteil davon direkt, d.h. in den Häusern, und teilweise indirekt, d.h. auf der

Straße. Diese Kinder und Jugendlichen kommen alle aus Favelas, also sehr armen

Vierteln und leben in „Häusern“, die oft keinen Strom oder Wasser haben. Viele wurden

von ihren leiblichen Eltern bzw. ihrem leiblichen Vater verlassen und von den

Großeltern oder der alleinerziehenden Mutter aufgezogen.

Die Bezugspersonen der Kinder arbeiten teilweise in anderen Häusern als Putzfrau, als

Straßenkehrer oder ähnliches, was maximal einen Mindestlohn einbringt. Comviva betreut aber auch Familien, die nur von dem leben, was sie erbettelt haben. Im Durchschnitt

müssen so oder so 6 bis 10 Personen davon ernährt werden. Viele der Kinder klauen

deshalb oder putzen Schuhe, einige prostituieren sich aber auch.

Alle Kinder und Jugendlichen kommen in Berührung mit dem Drogenhandel, weil

meist irgendein Familienangehöriger Drogen nimmt, verkauft oder deshalb im

Gefängnis sitzt. Häusliche Gewalt gehört in diesen Familien oft zur Tagesordnung. Weil

auch Kinder, die auf der Straße leben betreut werden, kommt COMVIVA auch in den

Kontakt mit Kinderprostitution und sexueller Ausbeutung.

Zu Hause herrschen oft katastrophale hygienische Verhältnisse und die Kinder sind

gezwungen auf dem Boden zu schlafen, meist ohne Matratze oder ähnliches. Ihr

gesundheitlicher Zustand ist oft miserabel.

Ein Großteil dieser Kinder, davon viele noch unter 10 Jahren, konsumieren Alkohol und

rauchen Zigaretten, einige rauchen auch Marihuana oder schnüffeln Kleber.


Momentane Finanzielle Lage (Stand Mai 2012):

In den vergangenen Jahren haben die Verantwortlichen von Comviva mit extrem viel Kraft, Anstrengung und Insistenz finanzielle Mittel aus brasilianischen öffentlichen Mitteln für die Projektarbeit erkämpft. Durch die hohen Projektkosten ist das die einzige Möglichkeit die Arbeit mittelfristig und auf Dauer zu finanzieren. Außerdem ist die Wirtschaft Brasiliens enorm gewachsen, öffentliche Mittel existieren, werden aber meist durch politischen Einfluss verteilt und viel geht auf dem Weg durch Korruption verloren.

Vor zwei Jahren haben wir von der Landesregierung von Pernambuco (Der Bundesstaat in dem Caruaru liegt), die Zusage für Projektmittel bekommen, die ca. 60 % unserer Projektkosten abdecken würde. Das bedeutete die ganze Arbeit im Bereich Sol Poente und etwa die Hälfte vom Cedro. Für alle Unterstützer und Mitarbeiter erschien das eine riesige Hoffnung das Projekt in seiner Größe auch weiterhin finanzieren zu können. Leider hat sich diese Hoffnung in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Alptraum entwickelt. Die Mittel wurden 2010 mit zwei- bis dreimonatigen Verzögerungen ausgezahlt. 2011 hat sich das noch verschlimmert. Vor kurzem hat Comviva mit 8 Monaten Verspätung die letzten Gelder ausgezahlt bekommen. Diese Verzögerungen hat das Projekt fast in den Ruin getrieben. Fünf Monate lang konnte fast die Hälfte der Mitarbeitergehälter nicht gezahlt werden, was ein riesiges Problem war. Zwar hat das Projekt trotz dieser schweren zeit überlebt, hat aber einige Mitarbeiter verloren und die Arbeit hat natürlich auch darunter gelitten. Die Verantwortlichen haben Himmel und Hölle bewegt, um zu ihrem Recht zu kommen. Bischof, Staatsanwältin und die Medien haben Comviva unterstützt. Manchmal sah es aus als ob es zu keiner guten Lösung kommen würde, dann wurden wieder Versprechungen gemacht. Der Stress war bei allen bis zum Maximum angestiegen und nun versuchen alle die Beine wieder auf den Boden zu bekommen. Jetzt hat man eine reelle Vorstellung der finanziellen Situation, die leider nicht gut ist.

2012 ist Wahljahr für Bürgermeister und Stadträte in Caruaru, daher gilt eine strikte Regelung für die Auszahlung von öffentlichen Geldern, um zu verhindern, dass durch die Auszahlung von Geldern Wahlstimmen erkauft werden. Dadurch das die Landesgelder mit einer so großen Verspätung ausgezahlt wurden und noch eine sehr aufwendige Abrechnung dieser Gelder vorgelegt werden muss, wird das Projekt wahrscheinlich die vorgegebene Frist verpassen. Mit der Stadt haben wir schon Verhandlungen geführt, die aber auch zu keinem positiven Ergebnis geführt haben.

Die Arbeit mit den 100 Kindern im Projektbereich Sol Poente hat noch von den Landesmitteln und der Unterstützung durch Sternsingergelder die Möglichkeit bis Ende Mai zu funktionieren, danach müsste der Projektbereich geschlossen werden. Für die Kinder deren Familien und die Angestellten wäre es aber ein großer Gewinn wenn die Arbeit noch bis zum Jahresende aufrecht erhalten werden könnte. Dann hätten die Verantwortlichen nochmals die Zeit in Ruhe mit der Stadtverwaltung zu verhandeln, gegebenenfalls die schwierigsten Fälle der Kinder in ein anderes Projekt überzuleiten und somit, falls es denn so sein sollte, einen würdigen Abschluss für die Arbeit zu schaffen.

Leider ist der Betrag sehr hoch. Für zwei Erzieher, eine Sozialarbeiterin, eine Köchin, eine Putzhilfe und feste Nebenkosten würde ein Betrag von 20.000 Euro gebraucht werden. Comviva könnte für die Bezahlung eines weiteren Erziehers, drei PraktikantInnen, Lebensmittel und pädagogisches und didaktisches Material aufkommen. Das Kindermissionswerk gibt für Spenden immer einen Zuschuss von 20%, das wären  4.000 Euro. Das bedeutet es würden immer noch ca. 16.000 Euro fehlen.


Für die Gründer des Projektes ist nach 25 Jahren Projektarbeit das Bitten um Spenden aus Deutschland sehr schwierig geworden. Einerseits, weil der große Traum von einer aus Deutschland unabhängigen Finanzierung, selbst nach einer so langen Zeit immer noch nicht wahr geworden ist und andererseits, weil das Bitten müde macht und einen zermürbt. Daher gibt es auch die überaus großen Anstrengungen um die Finanzierung mit brasilianischen Geldern. So bleibt allen Beteiligten keine andere Möglichkeit als noch einmal um Unterstützung aus Deutschland zu bitten.


Wer mehr über das Projekt wissen will, kann sich über das Gästebuch an mich wenden oder es auch direkt mit Spenden unterstützen:



Spendenkonten:

Aktion Silbermoeve ; Verwendungszweck: Comviva; LIGA-Bank, Filiale Speyer ; BLZ: 75090300

Kontonr.: 36340

Oder

Kath. Kirchenstiftung Bad Bergzabern; Sonderkonto Brasilienhilfe; Sparkasse SUW in Landau;

BLZ: 54850010; Kontonr.: 135208759



Die Mitarbeiter, aber vor allem die Kinder und Jugendlichen von COMVIVA, bedanken sich aus tiefstem Herzen bei allen, die das Projekt am vergangenen Hoffest kräftig unterstützt haben und bei allen, die sich auch weiterhin für eine bessere Situation dieser Kinder einsetzen werden.


Vielen Dank!